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Aus dem Mühlviertel in die Welt

Wie aus Liebe zu Design das größte Aluminiumzaun-Unternehmen Europas wurde

Rudolf Czapek war schon immer ein Freigeist und Pionier. Geboren auf einem Bauernhof im oberösterreichischen Mühlviertel, kam er mit 12 Jahren nach Wien. Nach einer Lehre zum Werkzeugmacher zog es ihn in die weite Welt und er ging nach Amerika, wo er unter sich unter anderem mit Industriedesign und Bildhauerei beschäftigte. Nebenbei arbeitete er als Tellerwäscher in Kalifornien und als Taxifahrer in New York. „Das Geld war knapp damals“, erinnert sich der smarte Oberösterreicher an seine Zeit in den USA. „Meine Schuhe hatten eigentlich immer Löcher, denn Fahrten mit der U-Bahn konnte ich mir nur selten leisten“, erzählt er.

Im Alter von 25 Jahren kehrte er 1990 nach Wien zurück. Ungebrochen war zu diesem Zeitpunkt seine Affinität für Kunst und Design und sein Schaffensdrang. Inspiriert von diesen Eigenschaften fing er an, in einem Keller im 13. Wiener Gemeindebezirk Skulpturen anzufertigen, aus denen im Laufe der Zeit Designlampen entstanden. Was als Hobby begann, entwickelte sich zu einem florierenden Geschäftsmodell und so beschloss Czapek, seine Einzelstücke in Polen für den Verkauf produzieren zu lassen. Das Lampengeschäft wurde so erfolgreich, dass seine Stücke 1995 im Museum of Modern Art in Manhattan ausgestellt wurden.

Von Lampen zu Zäunen

Dass er heute statt Lampen Zäune produziert, ist mehr oder weniger einem Zufall geschuldet. Irgendwann entwarf und baute er für seine Mutter einen Gartenzaun. Dieser fand bei den Nachbarn so großen Anklang, dass er seine ersten Auftragsarbeiten als Zaunbauer annahm. Der Rest ist Geschichte.
Im Jahr 1999 startete der damals 34-jährige Unternehmer in einem kleinen Werk am südlichen Stadtrand von Wien die Zaun-Produktion. Die Nachfrage nach seinen hochwertigen Produkten wuchs so rasch, dass fertige Modelle bald auf der Straße auf die Auslieferung warten mussten.

Erste Produktionsstätte mit gehörlosen Mitarbeitenden

Zum Zeitpunkt, als etwa 15-20 Mitarbeiter bei Guardi beschäftigt waren, entstand eine Kooperation, die für viele Jahre große Bedeutung für den Betrieb habe sollte. „Eines Tages besuchte mich ein Herr vom Sozialministerium und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, Gehörlose in der Produktion einzusetzen. Mir gefiel der Gedanke sofort und nach einigen Startschwierigkeiten zeigte sich, dass es eine goldrichtige Entscheidung war, sich dieser Herausforderung zu stellen,“ erzählt Czapek. Zwischen 1998 und 2001 waren bei Guardi über 30 Menschen mit Hörbehinderung beschäftigt und der Versuch entwickelte sich zum größten privaten Gehörlosenprojekt in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium dieser Zeit.

Umzug nach Wien

Im Jahr 2015 übersiedelte Guardi in den ersten Wiener Gemeindebezirk, nachdem die Produktion zuvor ins EU-Ausland verlegt worden war. Nach einem umfangreichen Produktionsausbau, der in diesem Jahr abgeschlossen wurde, werden dort mittlerweile auf 25.000 m² Werksfläche Zäune bzw. Balkonanlagen aus Aluminium von rund 360 Mitarbeitenden gefertigt. Der Kundenstock beläuft sich auf rund 15.000 Haushalte pro Jahr.

Koordiniert wird das komplette Geschäft von der Firmenzentrale in der Wiener Innenstadt. Zwanzig Außendienstmitarbeiter betreuen Hunderte Händler und Fachpartner, welche die hochwertigen Gartenzäune, -tore, Balkongeländer und Gartenprodukte in ganz Österreich vertreiben. Aber auch außerhalb der Landesgrenzen ist Guardi sehr aktiv. Beliefert werden unter anderem Deutschland, Frankreich, Schweiz, Slowenien, Slowakei, Ungarn, Tschechien und Polen. Vor allem bei unseren deutschen Nachbarn werden derzeit Expansionspläne realisiert, indem ein Franchisesystem aufgebaut wird, das mittlerweile sieben Franchisepartner zählt.

Nachhaltigkeit und Kundenservice als oberste Prämisse

Nachhaltigkeit und Langlebigkeit der Produkte werden bei Guardi großgeschrieben. Das Sortiment wird zum Großteil aus recyceltem Aluminium hergestellt, um den ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Große Mengen an gelagertem Rohaluminium sorgen für eine Liefergarantie gegenüber den Kunden. In der hauseigenen Produktion wird gefertigt und auch selbst beschichtet, um von Zulieferfirmen unabhängig zu bleiben. Mitarbeitende sowie Franchisepartner werden in der „Guardi-Academy“ laufend auf Produkte, Dienstleistungen und Servicestandards geschult, um die hohen Qualitätsstandards zu erfüllen.

Etabliertes Unternehmen mit Start-up Charakter

„Unser Motto lautet: ,Der Kunde hat immer recht‘. Diesen Servicegedanken habe ich aus meiner Zeit in Amerika mitgebracht“, beschreibt Czapek seine Unternehmensphilosophie. Gleichzeitig setzt er auf Augenhöhe zu seinen Mitarbeitenden und führt sein Unternehmen bis heute relativ unkonventionell. „Bei uns gibt es kaum Hierarchien. So haben wir uns in all den Jahren einen gewissen Start-up Charakter bewahrt und fühlen uns wie eine große Familie. Das spürt nicht nur die Belegschaft, sondern auch die Kunden. Hinzu kommt die Langlebigkeit unserer Produkte, die Vielfalt der Designs und Farben, unsere Bestpreis-Garantie und das gratis Ausmess-Service. Diese Komponenten sind es, die uns zu einem Partner mit Handschlagqualität machen. Unsere Produkte werden in höchster Qualität gefertigt und sind trotzdem für jedermann leistbar“, zieht der Firmenchef Resümee.

www.guardi.at

Über GUARDI

Firmensitz: Wien, 1010
Gründung: 1999
Eigentümer: Rudolf Czapek

Umsatz 2021: 40 Millionen Euro
Beschäftigte: 500
Branche/Tätigkeit: Erzeugung und Vertrieb von Zäunen und Balkongeländern aus Aluminium.

Foto: Rudolf Czapek
Fotocredit: Guardi, Jürgen Skarwan